Gartentipp der Bayerischen Gartenakademie

Blattlausinvasion bei schönem Wetter

Petersilie

Schöne warme Tage im April und Mai erfreuen des Menschen Herz. Doch bei warmer Witterung vermehren sich Blattläuse schnell und bevölkern die Pflanzen. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie erklären, wie es zu einem solchen Massenauftreten kommen kann.

Entwicklung und Massenvermehrung der Blattläuse

Zunächst noch unbemerkt schlüpfen aus den Wintereiern im Frühjahr große weibliche Blattläuse, sogenannte „Stammmütter“. Diese bringen täglich etwa fünf weibliche Jungtiere, die wiederum ohne Befruchtung und durch Lebendgeburten eine Vielzahl an weiblichen Nachkommen zur Welt bringen. Die einzelne Blattlaus lebt nur wenige Wochen. Verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Blattläuse drastisch, bilden sich neben den ungeflügelten Tieren auch geflügelte, die dann auch andere Wirtspflanzen aufsuchen. Hier werden wieder Nachkommen ohne Flügel produziert. Die meisten Blattlausarten stellen im Herbst auf eine geschlechtliche Vermehrung um: Geflügelte Weibchen verlassen die krautigen Sommerwirtspflanzen und fliegen auf holzige Winterwirte, um dort befruchtungsfähige Weibchen zu gebären. Währenddessen entstehen auf den Sommerwirten geflügelte Männchen, die zur Paarung ebenfalls zu den Winterwirtspflanzen fliegen. Nach der Paarung legen die Weibchen überwinterungsfähige Eier, aus denen dann im Frühjahr erneut die „Stammmütter“ schlüpfen. So schließt sich der Entwicklungskreislauf.

Massenhaftes Auftreten hat Folgen

Blattläuse ernähren sich von Pflanzensaft. Sie saugen ihn mit Hilfe von Stechborsten vor allem aus den zuckerhaltigen Leitungsbahnen von Blättern und zarten Trieben. Sie greifen dort an, wo das Grün am jüngsten und saftigsten ist. Die Folge: Triebspitzen verkrüppeln und verfärben sich, Knospen fallen ab, die Pflanzen schränken ihr Wachstum ein. Auch eine Übertragung von Viren ist durch die Saugtätigkeit möglich. Da die Läuse wesentlich mehr Zucker durch den Pflanzensaft aufnehmen, als sie benötigen, scheiden sie den unverdauten Zucker im klebrigen „Honigtau“ aus. Darauf können sich Rußtaupilze ansiedeln und die Assimilationsleistung der Pflanze herabsetzen. Ameisen nutzen den Honigtau als Nahrung und bauen sich Blattlauskolonien auf, die sie beschützen.

Vorbeugen und Gegenmaßnahmen

Weiche Pflanzenzellen sind für Blattläuse besonders attraktiv. Dies ist oft nach der Überwinterung von Kübelpflanzen und Sommerpflanzen der Fall oder wenn die Pflanzen viel gedüngt wurden und dementsprechend stark wachsen. Achten Sie deshalb auf eine optimale Nährstoff-Versorgung. Gestalten Sie einen vielfältigen Garten mit einfach blühenden Pflanzen und Bienenweiden. Dort fühlen sich auch Nützlinge wohl, die die Blattläuse in Schach halten. Sie legen ihre Eier direkt in Blattlauskolonien ab. Auch Vögel, z.B. Meisen suchen nach Blattläusen, um die Jungen zu füttern. Frühzeitige und regelmäßige Kontrolle besonders gefährdeter Pflanzen gibt Hinweise zum Aufkommen der Läuse. Ein sofortiges Beseitigen durch Zerdrücken der Stammmütter oder Abschneiden befallener Triebe beugt einer Massenvermehrung vor. Bei einem starken Befall hat es sich vor allem bei großen Pflanzen wie Obstbäumen bewährt die Läusekolonien mit einem scharfen Wasserstrahl abzuspülen. Ein kräftiger Regen hat die gleiche Wirkung. Dann haben Nützlinge wieder mehr Chancen die Blattläuse zu bekämpfen.

Und übrigens

Blattlaus ist nicht gleich Blattlaus. Es gibt etwa 3000 Arten, in Mitteleuropa 850. Pfirsichblattlaus, Hopfenblattlaus und Bohnenblattlaus beispielsweise haben einen großen Wirtspflanzenkreis. Andere Blattlausarten sind wirtsspezifisch z. B. Johannisbeerblasenlaus, die durch ihre Saugtätigkeit rote blasige Aufwölbungen der Blätter hervorruft.

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