Gartentipp der Bayerischen Gartenakademie

Wespen im Garten?

Krokusse liefern die erste Bienennahrung.

Beim Anblick einer Wespe geraten viele Menschen in Panik. Oft wird nur Negatives mit den Tieren in Verbindung gebracht. „Doch Wespe ist nicht gleich Wespe“, sagen die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie und beruhigen die Anrufer am Gartentelefon.

Wer sich ein bisschen mit Wespen beschäftigt ist überrascht, wie vielfältig und interessant diese Tierart ist und stellt schnell fest, dass Angst und Panik nicht angebracht, sondern völlig unnötig sind.

Wespen – durchaus harmlos!

Von Ende April bis in den September fällt immer öfter eine Wespe auf, die besonders lange Beine besitzt, die beim Flug unter dem Leib baumeln. Hat man die Möglichkeit das Tier genauer zu betrachten, z.B. wenn es am Teich oder anderen Stellen Wasser zur Kühlung des Nestes aufnimmt, bemerkt man, dass die Beine großenteils Orange gefärbt sind; ebenso die Fühler. Dann können Sie beruhigt weiter beobachten: es ist eine Haus-Feldwespe (früher auch Gallische oder Französische Feldwespe genannt). Die Haus-Feldwespe ist besonders friedlich und keinesfalls aggressiv gegen Menschen, sondern geht ihnen eher aus dem Weg. Bei sommerlichen und hochsommerlichen Temperaturen fühlt sie sich besonders wohl.

Die Nester der Haus-Feldwespe sind grau und hüllenlos, so dass man einen direkten Blick auf die einzelne – meist waagrecht hängende – Wabe hat. Man findet die Nester auf Dachböden, an Welleternit, zwischen Ziegeln und in Kleingewächshäusern. Aber manchmal auch an sehr ungewöhnlichen Stellen, wie in Metallrohren, an Mauervorsprüngen oder an Müllcontainern. Meist sitzen auf dem Nest nicht mehr als 15 bis 30 Tiere. Es erreicht auch nur etwa Handteller-Größe. Wichtig ist ein warmer, sonnenbeschienener und regengeschützter Ort. Ein Nistplatz im Siedlungsbereich wird daher oft gewählt. Als Baumaterial dient verwitterndes Holz, das mit den Mundwerkzeugen abgeraspelt wird. Die Haus-Feldwespe ist sehr standorttreu und so kann es sein, dass man die Nester mehrere Jahre an der gleichen Stelle findet.

Wespen – durchaus nützlich!

Die Nahrung aller erwachsenen Wespen besteht aus Nektar. Da die Tiere von Blüte zu Blüte fliegen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung. Zudem spielen sie eine große Rolle in der Schädlingsbekämpfung: Für die Aufzucht der Brut wird eiweißreiche Nahrung benötigt. Sie erbeuten eine Vielzahl von Insekten, meistens Schadinsekten wie Fliegen und Mücken um sie an die Brut zu verfüttern.

Wespen – durchaus lästig?

Bei Wespen denkt man sofort an die nervigen Tiere, die dann kommen, wenn man sie am wenigsten braucht: beim Grillen und beim Kaffeeklatsch im Sommer mit Kuchen und Sahne. Von den 13 in Deutschland lebenden staatenbildenden Wespenarten werden aber nur zwei wirklich lästig: Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Diese beiden Arten gehen im Spätsommer durchaus auch auf menschliche Nahrung. Immer dann wenn der Nahrungsbedarf des Nestes am Höchsten und die Ressourcen (Blütenpflanzen) in der Umwelt am Niedrigsten sind.

Wespen – durchaus interessant!

Neben den gängigen schwarz-gelb gefärbten Vertretern der sozialen Faltenwespen gibt es einige hundert solitär lebende Wespenarten in Deutschland. Bei diesen werden keine Staaten mit Arbeiterinnen (wie bei Hummeln oder Honigbienen) gegründet.

Überwinden Sie die Angst vor Wespen. Es sind nicht die stechwütigen Tiere, wie es oft heißt. Respektieren Sie die Tiere und halten Sie ausreichend Abstand zu den Nestern und schlagen Sie nicht nach den Tieren. Beachten Sie zudem andere empfohlene Hinweise, um sich vor Stichen zu schützen. Gerade die beschriebenen Haus-Feldwespen lassen sich, durch das hüllenlose Nest sogar sehr gut beobachten. Faszinierend sind die Lebensgewohnheiten und vor allem das ausgeprägte Sozialverhalten.

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